Retrospektive

Geschichte einer Rebellin: „Wilde Minze“

Lexikon | Martin Gantner | aus FALTER 08/10 vom 24.02.2010

Gerüche, sagt Helga Peskoller, können die Vergangenheit beschwören. Der Duft des Pfefferminztees schickt die heute 80-Jährige auf eine lange Reise – zurück in ihre Kindheit, auf eine Wiese voller Minzblätter, ins Kärnten vor und während des Zweiten Weltkriegs. In Graz wurden im Dezember 1944 nach einem Urteil des Volksgerichtshofpräsidenten Roland Freisler acht Todesurteile vollstreckt. Unter den Ermordeten war auch eine Kommunistin aus Villach: Maria Peskoller, Helga Peskollers Mutter.

In „Wilde Minze“, einer Dokumentation von Jenny Gand und Lisa Rettl, blickt die damals 16-Jährige zurück und erzählt die Geschichte ihres und des Lebens ihrer Mutter und beschreibt damit das Schicksal vieler Frauen, die durch ihre Unterstützung von Deserteuren selbst Opfer der NS-Justiz wurden. Der Film könnte aktueller kaum sein – schließlich trat im Dezember ein lange umstrittenes Gesetz in Kraft, mit dem sämtliche Urteile des Volksgerichtshofes und der NS-Sondergerichte aufgehoben wurden. Damit werden Menschen wie Maria Peskoller Jahrzehnte nach ihrem Tod nun doch noch rehabilitiert.

Filmhaus am Spittelberg, Sa 17.30 (anschließend Podiumsgespräch)


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