Neu im Kino

„The Ghost Writer“, ein altmodischer Thriller

Lexikon | Michael Pekler | aus FALTER 08/10 vom 24.02.2010

Dass Roman Polanskis „The Ghost Writer“ nur wenige Tage vor Martin Scorseses „Shutter Island“ in den Kinos gestartet ist, mag purer Zufall sein. Für einen unvoreingenommenen Vergleich erweist sich das jedoch als Glücksfall, lassen sich doch erstaunliche Parallelen – und nicht weniger wichtige Unterschiede – erkennen: Wie bei Scorsese strandet auch Polanskis Held, ein erfolgreicher Ghostwriter (Ewan McGregor wie immer erfolglos auf der Suche nach Identität) auf einer windigen Atlantikinsel, um ein dunkles Geheimnis zu enthüllen. Und wie bei Scorsese erweisen sich die aufgelesenen Indizien als vorgefertigte Bildersammlung, nur dass sich Polanski weniger vom Film noir beeindruckt zeigt denn vom Spannungskino Alfred Hitchcocks.

Weil sein Vorgänger tot am Strand aufgefunden wurde, willigt der Geisterschreiber ein, die Memoiren des auf der Insel zurückgezogen lebenden britischen Expremiers Adam Lang (Pierce Brosnan als noch schmierigerer Tony Blair) zu Ende zu bringen. Dieser soll aber Kriegsgefangene zur Folter an seinen amerikanischen Hausherrn ausgeliefert haben und nun vor den Internationalen Gerichtshof. Keine gute Ausgangslage für bestellte „Memoiren mit Herz“.

Immer enger schnürt Polanski die Fallstricke und verwendet die Vorlage von Robert Harris, eine ausgemachte Blair-Abrechnung, für eigene, bessere Zwecke. Denn der politische Hintergrund interessiert den auf die eigene Abschiebung wartenden Polanski nur als Vorwand für einen lupenrein altmodischen Thriller und als kleiner Puzzlestein für die große Kinoverschwörung. Und deshalb regnet es wie bei Scorsese auch bei Polanski bedrucktes Papier – Beweise der ganz anderen Art.

Weiterhin in den Kinos (OF im Artis und Haydn)


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