Neun Rechtecke für Charlie und alte Geistermaschinen

Steiermark | Herwig G. Höller | aus FALTER 08/10 vom 24.02.2010

Norbert Pfaffenbichlers Reflexionen über 3D in 2D

Der zeitgenössische Medienkünstler darf vor Neid erblassen. Denn damals vor einem Jahrhundert, als die Bilder gerade laufen gelernt hatten, war noch vieles möglich: Im Lichtspieltheater lösten Großaufnahmen von Gesichtern bisweilen noch Massenpaniken aus. Und Illusionisten konnten glaubwürdig mit kinematografischer Apparatur Geister auf die Bühne zaubern. Der Wiener Künstler Norbert Pfaffenbichler bezeichnet das Medium Film deshalb auch als „Geistermaschine", ausgehend vom Stummfilm beschäftigt sich seine Ausstellung im Medienturm mit unheimlichen Aspekten der Moderne. Dabei konzentriert sich Pfaffenbichler, der sich seit den Neunzigerjahren vor allem durch abstrakt-konzeptuelle Medienkunst einen Namen gemacht hat, auf künstlerische Analyse. Mit einer subjektiven Neulektüre von Film- und Geistesgeschichte will er dabei insbesondere bewusst machen, wie dreidimensionale Räume im zweidimensionalen Film repräsentiert werden. Am Beispiel des Stummfilms „Dough and Dynamite" (1914): Dieses Frühwerk von Charlie Chaplin spielt in neun Räumen, in denen jeweils von einer statistischen Kamera eine konstante Einstellung gefilmt wurde. Pfaffenbichler macht dies deutlich, indem er den ganzen Film auf drei mal drei Rechtecke projiziert und jeder Raum im Film jeweils einem Rechteck auf der Projektionsfläche zugeordnet ist. „Silent Alien Ghost Machine Museum", die Ausstellung läuft übrigens auch im Rahmenprogramm der Diagonale, lädt mit zahlreichen Raum- und Videoinstallationen und Fotobeispielen zu einer Reflexion überfilmische Sehgewohnheiten ein – und die haben sich im Laufe des vergangenen Jahrhunderts sichtlich dramatisch verändert.

Kunstverein Medienturm, Eröffnung Do 19.00


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