Theater Tipp

Versmaßslapstick, inspiriert von Tex Avery

Steiermark | Gregor Schenker | aus FALTER 08/10 vom 24.02.2010

Tobias Kratzers Grillparzer-Inszenierung ließ sich wohl von Tex Avery inspirieren. Der Klassikerreigen am Schauspielhaus geht weiter. Diesmal mit Franz Grillparzers Vers-Lustspiel „Weh dem, der lügt!“. Dieses bietet ja entgegen dem – Grillparzer anhaftenden – Vorurteil langweiliger Verstaubtheit einen sehr vergnüglichen Plot und einige wirklich brillante Zeilen. Wo Martin Kušej vor zehn Jahren am Burgtheater noch moralische Untiefen auslotete, verlegt sich die Grazer Inszenierung völlig auf cartoonhafte Überzeichnung und knallige Outrage in einer antiseptischen Großküche. Dass Regisseur Tobias Kratzer und Bühnenbildner Rainer Sellmaier rechte Scherzbolde sind, haben sie ja schon unter Beweis gestellt, als sie 2008 unter den bulgarisch-serbischen Pseudonymen Pedrak Topola und Nedko Morakov den Grazer Opern-Inszenierungs- & Ausstattungs-Wettbewerb Ring Award gewannen. Mit einer ähnlich frechen Einstellung befreien sie Grillparzers Text von jedem Pathos. Dass die Aufführung nicht zum Krampf wird, verdanken sie einem äußerst spielfreudigen und eben unverkrampften Ensemble, dass es locker vermeidet, die comichaften Posen zu kabarettistisch spastischen Grimassen werden zu lassen. Der junge Florian Köhler gibt charmant den schlauen Koch Leon, der Atalus (Jan Thümer) – den Neffen Bischof Gregors (Franz Xaver Zach) – aus der rheingauischen Gefangenschaft mit List und Liebe (Sophie Hottinger als Edrita), aber gezwungenermaßen ohne Lüge befreit. Wenn es dem Ensemble gelingt, mit fortlaufenden Aufführungen noch das Tempo zu steigern, so sorgt es auf jeden Fall für einen äußerst lustigen Abend. Und das ist ja schon mal ein entschiedener Ansatz!

Schauspielhaus Graz, Mi 19.30 (


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige