Am Apparat

Telefonkolumne

Politik | aus FALTER 08/10 vom 24.02.2010

Wie peinlich ist das Englisch unserer Politiker, Herr Busek?

Seit sich der neue Industriekommissar Günther Oettinger in Brüssel mit miserablem Englisch und schwäbischer Klangfarbe blamiert hat – ein YouTube-Video sorgte weltweit für Heiterkeit –, stellt sich auch in Österreich die Frage nach der Fremdsprachenkompetenz heimischer Politiker. Doch warum sollte es entscheidend sein, ob einer nun weltmännisch parliert oder unbeholfen radebrecht? Erhard Busek, ehemaliger ÖVP-Bundesobmann und Unterrichtsminister, der gerade an einem Kongress an der Columbia Universität in New York teilnimmt, erklärt, warum.

Ist es Ihnen peinlich, wenn Sie einen österreichischen Politiker schlecht Englisch sprechen hören?

Antwort: Ja.

Warum?

Weil es relativ einfach ist, diese Sprache zu lernen. Früher gab es kaum die Möglichkeit, von Nativespeakern unterrichtet zu werden. Bei mir zum Beispiel war Englisch nur ein Freifach, stattdessen hatten wir Latein und Griechisch. Aber heute ist es anders: Wer jetzt nicht halbwegs gut Englisch kann, der will nicht.

Ist es nicht wichtiger, was ein Politiker sagt, als wie er es sagt?

Ob das, was jemand sagt, ankommt, hängt davon ab, wie er es sagt.

Was spricht dagegen, einfach einen Übersetzer zu verwenden?

Wir leben in einer globalisierten Welt, in der sich Englisch als Lingua franca durchgesetzt hat. Es ist schlicht und einfach die Sprache der Politik, der Wirtschaft und der Hochfinanz. Wenn Sie für jedes Gespräch einen Übersetzer brauchen, haben Sie Schwierigkeiten, andere besser kennenzulernen. Es kann so weit gehen, dass Sie sich vor solchen Kontakten sogar fürchten.

Was bedeutet es für das österreichische Bildungssystem, wenn nicht einmal die Politiker – die Elite des Staates – fließend Englisch sprechen?

Über die Frage, ob Politiker bei uns zur Bildungselite zählen, könnte man lange diskutieren.

Interview: M. G. Bernold


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige