Gelesen

Bücher, kurz besprochen

Politik | Matthias Bernold | aus FALTER 08/10 vom 24.02.2010

Verderbnis der guten Sitten

Noch vor Ausbruch der ersten Weltwirtschaftskrise 1857, die damals von Grundstücksspekulationen nordamerikanischer Banken mitausgelöst wurde und in eine Depression mündete, veröffentlichte Pierre-Joseph Proudhon sein „Handbuch des Börsenspekulanten“. In dem vom Wiener Wirtschaftshistoriker Gerhard Senft jetzt neu herausgegebenen Standardwerk lieferte Proudhon, einer der geistigen Väter des französischen Arbeiterbewegung und – als Gegner staatlicher Gewalt – des Anarchismus, eine präzise Analyse der Finanzwirtschaft. Vor dem Hintergrund der jüngsten Wirtschaftskrise ist der Text streckenweise so aktuell, als hätte ihn der rauschebärtige Ökonom erst gestern geschrieben: Börsenoperationen, Akteure, Institutionen und Handelsgegenstände im Börsebetrieb nimmt Proudhon unter die Lupe.

Um der „Verderbnis der öffentlichen Sitten durch die Börsen“ entgegenzuwirken, schlägt Proudhon unter anderem Tauschgesellschaften und Volksbanken vor: Ideen, wie sie auch heute wieder in Pamphleten der Globalisierungskritiker auftauchen. Im ausführlichen Anhang zum Handbuch finden sich Kommentare von Herausgeber Senft, der Proudhons Einsichten und Theorien in Bezug zur Geschichte und zu den jüngsten Turbulenzen auf den Finanzmärkten setzt, sowie eine Chronologie der wichtigsten Finanzskandale und Wirtschaftskrisen.

Pierre-Joseph Proudhon: Das Handbuch des Börsespekulanten. LIT Verlag, 328 S., € 24,90


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige