Wild wuchernde Denkmäler für den Alienstaat

Feuilleton | aus FALTER 08/10 vom 24.02.2010

Mit seinen hybriden Megaskulpturen hatte Bruno Gironcoli das Zeug, ein Großer der zeitgenössischen Kunst zu werden

Nachruf: Matthias Dusini

Seinen letzten, großen Auftritt hatte der Bildhauer Bruno Gironcoli im Jahr 2003 auf der Biennale von Venedig. Im österreichischen Pavillon waren einige seiner monumentalen Kunststoffplastiken zu sehen: futuristische Apparate mit bronzenen und goldenen Oberflächen, aus denen merkwürdige Dinge wuchsen: Edelweißblüten, Kornähren, Embryos. Man konnte sie als Denkmäler eines außerirdischen Staates sehen, der sich zitathaft alpenländischer Nationalsymbolik bedient.

So symbolisch aufgeladen Gironcolis Skulpturen auch sein mochten: zur einfachen Lesbarkeit fehlte ihnen die zuordenbare Erzählung. Am ehesten konnte man in ihnen Versinnbildlichungen jener unsichtbaren Kräfte erkennen, die auf den Einzelnen einwirken: Sexualität und Angst etwa. Erhöhte Aufmerksamkeit wurde Gironcoli im Biennaletrubel jedenfalls nicht zuteil; die Gelegenheit, in den


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