Einmal locker gemacht und ordentlich gelüftet

Feuilleton | aus FALTER 08/10 vom 24.02.2010

Schlaftablette war gestern: die burgenländische Popband Garish und ihre tolle neue Platte

Rezension: Gerhard Stöger

Okay, ihre Coverversionen waren stets sehr hübsch. Egal, ob Garish Falcos „Junge Römer“ von der Tanzfläche holten oder ob sie Georg Danzers „Weiße Pferde“ zähmten. Die Eigenkompositionen des seit zehn Jahren aktiven burgenländischen Fünfers aber funktionierten lange Zeit als zuverlässigstes homöopathisches Schlafmittel des Landes.

Dieser Jammergesang! Diese biederen Musikschülerklänge! Diese bemüht lyrischen Texte! Während es deutsche Indieschlagerkollegen zumindest bis zum Pferdeposterpop brachten, reichte es bei Garish nur für die Ponybriefmarke.

Selbst das vor drei Jahren erschienene und mit reichlich Beifall begrüßte letzte Album „Parade“ war noch eine reine Fadgasattacke.

Und jetzt? Ist plötzlich alles anders. Nicht dass sich Garish ganz neu erfunden hätten. Aber sie haben sich locker gemacht, einmal ordentlich durchgelüftet – und hinterlassen plötzlich einen ganz anderen Eindruck.

„Wenn dir das meine Liebe nicht beweist“, das nach dem Ausflug zum Musikmulti Universal wieder beim Ja,-Panik-Label Schönwetter erschienene fünfte Album der Band, vermag von den rührenden ersten Sekunden an zu überzeugen.

Die Oberfläche wurde behutsam, aber merklich aufgeraut, die Melancholie tönt spielerisch und lebenslustig, Thomas Jarmers nach wie vor markanter Gesang wirkt fast schon wie ein weiteres Instrument – und klingt mit einem Mal gar nicht mehr nervig, sondern höchst stimmig.

Zwischen Akkordeon-Wehmut, forschem Chansonpop, großer Spielfreude und einer neuentdeckten Lust am dezenten Groove geht hier mehr als nur einiges.

Schön, wenn Vorurteile so nachdrücklich widerlegt werden!

Garish: Wenn dir das meine Liebe nicht beweist (Schoenwetter)

Live: am 26.3. im ppc Graz; am 14.4. im Flex Wien


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