Schmetterlinge im Ohr, ohne Tornado-Potenzial

Steiermark | aus FALTER 08/10 vom 24.02.2010

Die Chaostheorie sagt, dass der Schlag eines Schmetterlingsflügels einen Tornado auslösen kann, und die Bibel sagt, dass Glaube Berge versetzt. Man darf sich von aura:L sculptures keinen Tornado erwarten, aber es ist erfreulich, dass abermals eine junge Band aus dem Umfeld der Grazer Jazzwerkstatt zumindest an sich selbst glaubt. Und daran, dass es nicht gänzlich umsonst ist, in Österreich eine Jazz-CD zu produzieren. Noch dazu großteils mit deutschen Texten. aura:L, das steht vor allem für Laura Winkler, die Sängerin des Quintetts, die auch alle Songs des Debütalbums „umami“ komponiert hat. Winklers Stimme wird von einer ungewohnt hohen Posaune (Adrian Kleinlosen), teils kommentierend, meist unisono und – viel zu selten – witzig kontrapunktisch begleitet. Die Stücke beginnen oft balladesk, richtig gut werden sie jedoch erst, wenn die Rhythmusfraktion (Michael Ringer am Bass und Valentin Schuster an den Drums) endlich ungehemmt losgrooven darf. Frisch, aber doch noch zu sehr den alten Werten des Jazz verpflichtet, als dass man auf ausgedehnte Soli verzichtet hätte. So geraten einige Nummern ein bisschen lange. Mit Ausnahme von „Schmetterlingsflügel“, in dem Benny Omerzell wunderbar chaotisch und himmlisch in time am Piano improvisiert. MG

aura:L sculptures: umami, session work records, € 15


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