Hundert Jahre Zeitausgleich

Befindlichkeitskolumne

Steiermark | aus FALTER 08/10 vom 24.02.2010

(SPAM) Sinnlose Gespräche in deiner Umgebung!

Die Zeit hat in einer mittelkleinen Stadt einen völlig anderen Charakter als in einer großen oder winzigen Stadt. Zwar ist es nicht so, dass man jeden kennt, aber doch ständig irgend jemanden trifft, den man von früher kennt, und dann vollgas auf die bittere Wahrheit gestoßen wird, dass man sich nicht verändert hat, von der Substanz her. Es kann deswegen keinen Entwicklungsroman geben, der in Graz spielt, sondern nur Slackerstücke, Farcen, Miniaturen und experimentelle Lyrik. Das muss kein Nachteil sein für die Kunst, wohl aber ist es auf Klassentreffen mit Leuten, die noch nicht so weit sind, zu bemerken, dass sie sich in der Substanz nicht verändert haben, weil sie zum Beispiel in München auf einer Schule für Pferdetherapie waren, so schwer vermittelbar wie ein Reservegoalie von Austria Kärnten. (Bei diesen Klassentreffen passieren dann oft Morde, die der jeweilige Außenseiter aufklärt und dabei enthüllt, dass sich in der Substanz niemand verändert hat, dass sich überhaupt nichts verändert hat usw.) Ein Charaktermerkmal, das die Älteren unter uns allerdings von ihren Exklassenkameraden noch nicht kennen, ist die Betreffzeile, um die es hier eigentlich hätte gehen sollen: Sie verrät viel, wenn nicht alles über die persönliche Disposition des gemeinen, fiesen, geltungssüchtigen, bescheidenen oder zwangsseriösen Kollegen. Fortsetzung folgt.


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