Doris Knecht

Was macht der dann bitte, wenn er zwölf ist?

Selbstversuch

Kolumnen | aus FALTER 08/10 vom 24.02.2010

Lagerkoller! Das Mimi ist noch immer krank, nur so ein bisschen, gerade so, dass man es nicht in die Schule schicken kann, ohne als verantwortungslos zu gelten. Und das andere hat sich jetzt angeschlossen. Und die Erwerbstätigkeit des Langen erlaubt es derzeit nicht, so der Lange, selbige zuhause zu verrichten. Und es ist, eh, typisch, dass ich, während ich den Kindern gerade Palatschinken fürs Mittagessen backe, von der Redaktion angerufen werde, die Dohnal (die Dohnal!) sei gestorben, könnte ich ganz schnell in einem kurzen Kommentar ihr Wirken würdigen. Und ich kann fühlen, dass die Dohnal mich von oben aus dem Feministinnenhimmel herzlich auslacht, wie ich da in einer fleckigen Schürze am Küchentisch sitze und emanzipatorisch wertvolle Sätze formuliere, während hinter mir die Palatschinken verbrennen und die Kinder maulen, wann ihr Essen denn jetzt endlich fertig sei.

Natürlich sind auch alle strengen, haushaltsinternen Dogmen bezüglich des Fernsehkonsums Minderjähriger vorübergehend außer Kraft gesetzt, die Kinder sitzen von früh bis spät vor dem Fernseher. Ich passe nicht einmal mehr auf, was sie anschauen, völlig wurscht, Hauptsache, ich kann im anderen Zimmer in Ruhe vor dem Computer denken.

Glücklicherweise ist eins der Mimis ein totales Waserl und versteckt sich schon unter der Decke, wenn Wickie auf den Wolf trifft, also ist von dieser Seite kein Unheil zu erwarten. Oder der Wunsch, man wolle sich jetzt alle Teile „Fluch der Karibik“, den kompletten „Star Wars“-Zyklus und alle Folgen von „Heroes“ hineinziehen, was übrigens ziemlich viele ihrer Schulfreunde längst kennen.

Eins der Kinder hat einen Hitler-Fan in der Klasse, der Hakenkreuze an die Wände schmiert und aus dem Fußballverein entfernt wurde, weil er einem anderen Kind den Arm brach. Er ist acht. Was macht der mit zwölf? Und mit 15? Ich wundere mich nicht über die Gewaltaffinität Jugendlicher, wenn die meisten Achtjährigen heutzutage schon völlig abgebrüht sind, was die Darstellung von Gewalt betrifft, und ich sag es, auch wenn es keiner hören will, wieder einmal: Daran sind die Eltern schuld. Während ich meinen Kindern, was ich auch nicht gut finde, noch nicht einmal „Harry Potter“ vorlesen darf, nein, sie befürchten schlechte Träume, „Harry Potter“ sei leider noch gar nicht drin, vielleicht in fünf Jahren.

Und es wird alles nicht leichter durch den Umstand, dass man sich ein temporäres Alkoholverbot auferlegt hat. Welches, by the way, überraschende Wirkung zeigt: minus zwei Kilo und minus fünf Jahre in einer Woche, was einerseits überaus befriedigend ist, andererseits sieht es keine Sau, da man ja das Haus nicht mehr verlässt und abends schon gar nicht mehr ausgeht. Nüchtern unter lauter Angetschecherten, das ist mehr etwas für die Spezies Menschen, die das Temperenzlertum im Genpool eingeschrieben haben. Zu denen gehöre ich bekanntlich nicht.


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