Fragen Sie Frau Andrea

Väterchen Frost, Bärenfut und Papahut

Kolumnen | aus FALTER 08/10 vom 24.02.2010

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft

Liebe Frau Andrea,

angesichts der bitterbösen Kälte stachen in den vergangenen Wochen vermehrt Menschen ins Auge, die Väterchen Frost mit einer sogenannten Bärenfut am Kopf trotzen. Hier bleibt dem vom Winter eingefrorenen Hirn natürlich nichts anderes übrig, als zu fragen, wie denn diese wunderschöne Bezeichnung zustande kam? Welches Volk konnte wie und zu welcher Zeit Erfahrungen mit auf dem Kopf getragenen Bärenvaginen sammeln, um dieses Wissen daraufhin im Sprachschatz zu hinterlassen?

Mit vorzüglicher Hochachtung,

Judith Humer,

per Elektronachricht

Liebe Judith,

der bildstarke Ausdruck verdankt seine Genese weniger den waidmännischen Erlebnissen bestimmter Individuen oder gar ganzer Völkerschaften als den Benennungstalenten österreichischer Präsenzdiener. Wird doch beim Bundesheer die wintertaugliche „Kappe II“ vulgo „Zwarakappl“, ein tarnfarbener Kampfhut mit plüschwattierten Ohrenschützern, traditionell „Bärenfut“ genannt. Anatomische Genauigkeit oder gar PCness waren dabei nicht die vorrangigen Leitgedanken.

Dass die Bezeichnung auf Pelzmützen im zivilen Raum übergesprungen ist, will nicht wundern. Genitale Hüte gibt es schon lange. Aus der Welt der Revolutionen kennen wir die phrygische Mütze, einen mit der Spitze nach vorne geneigten Zipfelhut. Sie galt den Jakobinern als politisches Bekenntnis, weil ebensolche Kopfbedeckungen, wie es hieß, von den freigelassenen Sklaven der Antike getragen worden seien. Die „Freiheitsmütze“ der antiken Phryger war ursprünglich ein gegerbter (und blutrot bemalter) Stierhodensack samt der umliegenden Fellpartie. Die Eiermütze trugen in späterer Folge der persische Heros Mithra und sein römisches Derivat Mithras, die Heiligen Drei Könige und der Doge von Venedig – true stories.

Die Restitution eines ähnlichen Kopfschmuckes fand am 21. Dezember 2005 bei einer papalen Generalaudienz statt. Das rote Pelzkäppchen, das Pontifex Benedikt XVI. seither winters gerne trägt, ist der Camauro. Karl Ratzingers Häubchen hat seinen Namen vom griechischen kamelauchion, das Käppi war noch im Mittelalter aus rot gefärbtem Kamelhodenleder gekürschnert.


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