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Zuerst „Wettesser“, dann ins „Streichelinstitut“

Lexikon | Sebastian Fasthuber | aus FALTER 09/10 vom 03.03.2010

Sebastian war ein sensationeller Streichler – fand seine Freundin Anna. Trotzdem war es eigentlich nur eine Alberei, als sie ihm vorschlug, diese Fähigkeiten zu professionalisieren. Natürlich (Regel 1) niemals unterhalb der Gürtellinie! Aber in dieser kalten Welt des Gestresstseins musste es doch eine kommerziell verwertbare Sehnsucht nach Zärtlichkeiten auch oberhalb des Nabels geben. Dass wirklich Leute kommen und auch noch eine Menge Geld bezahlen, überrascht Sebastian fast selbst.“

Die Grundidee von Clemens Bergers (Jg. 1979) neuem Roman „Das Streichelinstitut“ ist ziemlich gut. Ein nach seinem Studium schon viel zu lang zuhause rumsitzender Quasi-Philosoph wird darin von seiner Freundin sanft in eine ungewöhnliche Karriere als neuer Selbstständiger reingeschubst. Ob es sich bei seinem Einmannbetrieb eher um einen Massagesalon oder um Lebensberatung handelt, ist eine Frage, die nur das Gewerbeamt beschäftigt. Sebastian sieht sich bald mit ganz anderen Problemen konfrontiert.

Der aus dem Burgenland stammende Clemens Berger hat es mit witzigen Ideen, die dabei aber mehr als nur reine Unterhaltung sind und immer auch auf gesellschaftliche Entwicklungen verweisen. So baute sein letzter Roman „Die Wettesser“ (2007) auf der realen Geschichte eines japanischen Hot-Dog-Rekordhalters und einer Gruppe radikaler Veganer auf. In der Folge gelang dem Autor der Sprung vom heimischen Skarabäus- zum deutschen Wallstein-Verlag. Dort erschien bereits der Erzählband „Und hieb ihm das rechte Ohr ab“. Thorsten Ahrend, Bergers Lektor bei Wallstein, hält die Einleitung bei der Buchpräsentation von „Das Streichelinstitut“.

Literaturhaus, Mi 19.30


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