Kritik

Malerei mal mehr, mal weniger verschlüsselt

Lexikon | aus FALTER 09/10 vom 03.03.2010

Der Werdegang des 1941 in Chicago geborenen Malers Joe Zucker beginnt in den 60er-Jahren, in einer Zeit also, in der in den USA die Pop-Art vorherrscht und sich der Minimalismus entfaltet. In diesem Klima künstlerischer Gegensätze kreiert Zucker einen ganz eigenwilligen Malstil, der als Balanceakt zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion verstanden werden kann. Auf dem Grundsatz aufbauend, das der Inhalt seiner Werke auf den verwendeten Materialien gründet, hat er in der Vergangenheit ein vielseitiges Œuvre geschaffen.

Neben einer frühen Tuschearbeit und einer Schriftarbeit aus dem Jahr 1976 zeigt er in seiner ersten Wiener Solopräsentation Serien aus den 80er- und 90er-Jahren, deren inhaltliches Spektrum über die amerikanische Geschichte bis hin zu Mythologien und Legenden reicht. Die Serie „Ponce de León“ etwa bezieht sich auf den gleichnamigen spanischen Konquistador, der im frühen 16. Jahrhundert von Puerto Rico aus Florida einnahm. Hufeisenförmige Elemente rücken hier als Symbol für die berittenen Eroberer ins Bild, auf deren Waffengewalt der Künstler mit Bildpartien aus Alufolie anspielt. Seine persönliche Version des Golem-Mythos legt Zucker in Mischtechniken aus dem Jahr 1989 dar: Über gerasterte Strukturen, die an Hochhausfassaden erinnern, breitet sich ein schwadenartiges Gebilde aus.

Weniger rätselhaft als diese Werkgruppen sind die Mitte der 90er-Jahre entstandenen durchwegs humorvollen Aquarelle. Eines davon zeigt einen Maler mit Staffelei vor einem Wasserfall. Das Malen nach der Natur hat seinen Preis, scheint uns dieses Bild zu sagen. In diesem Fall sind es nasse Füße. MJ

Galerie Steinek, bis 18.3.


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