Kritik

Gewohnt verkopft gleich zweimal in Wien

Lexikon | aus FALTER 09/10 vom 03.03.2010

Installationen, Objekte, Textarbeiten, Wandmalereien, Essays, Videos und kuratorische Projekte zählen zur schöpferischen Bandbreite des Briten Liam Gillick. In seinen Werken greift er oft den Minimalismus, die Konzeptkunst und die Geschichte des modernen Designs auf. Sozialreformmodelle und Gesellschaftsutopien zählen zu den beliebten Inhalten des Diskurskünstlers, dessen Schaffen im weitläufigen Feld der „relationalen Ästhetik“ angesiedelt ist und zurzeit zweifach in Wien präsentiert wird.

Für das Mak hat er drei für ihn typische modulähnliche Architekturen aus Aluminium, Holz und buntem Plexiglas entworfen, die er als Plattformen der potenziellen Interaktion und Kommunikation versteht. Der Ausstellungstitel „Executive Two Litre GXL“ spielt auf die Autoindustrie der 70er-Jahre an, ein Bezugspunkt, der sich auch beim mehrmaligen Durchschreiten der Installation nicht erschließen will.

Ähnlich lose erweist der Künstler Godards und Gorins Film „Tout va Bien“ in seiner Wiener Galerie Reverenz. „Everything Good Goes“, die Übersetzung des Titels, ziert als Schriftzug ein Leuchtkastenobjekt. Weitere Versatzstücke der Schau sind ein Modell der Wurstfabrik, dem Schauplatz der Filmhandlung, und eine filmische Dokumentation, die Gillicks Arbeit an einem 3-D-Computermodell vom Filmset zeigt und akustisch von einem Telefongespräch des Künstlers über die Produktion der Dokumentation bestimmt ist. Der Streik der Fabrikarbeiter als Kerninhalt des Films ist in Gillicks Nachdenken über Deutungszusammenhänge und Darstellungsproblematiken kein Thema. So erscheint auch hier, wie in der Ausstellung im Mak, das Kunstwerk nur als Protokoll für eine Form der visuellen Aktivität, die letztendlich keinen Mehrwert produziert. mj

Galerie Meyer Kainer, bis 13.3.

Mak-Schausammlung Gegenwartskunst, bis 21.3.


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