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Kurz besprochen:Body and Soul

Lexikon | aus FALTER 09/10 vom 03.03.2010

Körperkarten

Sandra & Matthew Blakeslee: Der Geist im Körper. Das Ich und sein Raum. Spektrum Akadem. Verlag, 341 S., € 25,70

Man muss weder krank noch high sein, um zu fühlen, dass die Nase einen halben Meter lang ist. Wenn man einen 100-Hertz-Vibrator an den Bizeps bindet, verwirrt man die Propriozeptoren, die irrtümlich ans Hirn melden, die Sehne des Bizeps sei entspannt. Und wenn man nun bei geschlossenen Augen mit dem Zeigefinger die Nase berührt, fühlt es sich an, als wüchse diese auf Armeslänge an, weil das Gehirn einen schöpferischen Schluss aus zwei widersprechenden Inputsignalen zieht und in hochspezialisierten „Berührungskarten“ verarbeitet.

Einen Körper „hat“ man nicht; das Gefühl, in ihm zu sein, wird jeden Augenblick in Milliarden von Neuronen der „Körperkarten“ produziert und angepasst. Daher sind „Körperbilder“ erstaunlich flexibel, aber auch manipulierbar. Man kann so beunruhigende Illusionen erzeugen wie jene, sich auf Insektenbeinen zu bewegen


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