Buch der Stunde: Wer bin ich, wenn mein Körper zittert?

Lexikon | Klaus Nüchtern | aus FALTER 09/10 vom 03.03.2010

Im Mai 2006 steht die Schriftstellerin Siri Hustvedt „unter einem wolkenlosen blauen Himmel“ auf dem Campus des St. Olaf College, um eine Rede zu Ehren ihres Vaters zu halten, der hier fast 40 Jahre lang Professor war und vor zweieinhalb Jahren gestorben ist. Als sie den Mund zum ersten Satz öffnet, wird sie von einem mysteriösen Anfall heimgesucht: Halsabwärts erfasst sie ein heftiges Zittern, Stimme und Sprechvermögen aber bleiben bizarrerweise vollkommen intakt. Als sie ihre Rede trotz aller Panik zu Ende gebracht hat, hört auch der Krampf auf.

Hustvedts Buch (Original: „The Shaking Woman“, 2010) enthält 18 Seiten mit insgesamt 192 Fußnoten. Ihr Zugang ist also sichtlich ein anderer als der von Joan Didion, die in „Das Jahr des magischen Denkens“ (2006) unverstellt autobiografisch und erschütternd vom Tod ihres Mannes und ihrer Tochter erzählt, oder der von Kathrin Schmidt, die die eigene Krankheit zum Ausgangspunkt ihres tollen Romans „Du stirbst nicht“ (2009)


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