Nachrichten aus dem Inneren

Die Redaktion erklärt sich selbst

Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 09/10 vom 03.03.2010

Sollte sich jemand die Frage gestellt haben, nach welchen Gesetzmäßigkeiten sich die Auftrittshäufigkeit der handelnden Personen in dieser Kolumne richtet, kann ich das gerne beantworten: Es ist genauso wie überall sonst außerhalb von Trappistenklöstern – wer viel schwatzt, bekommt mehr Platz. Mit anderen Worten, die Maniker und Logorrhoeiker haben auch hier die Nase vorn (und dreimal dürfen Sie raten, warum man es mir überlassen hat, Woche auf Woche die „Nachrichten aus dem Inneren“ vollzugriffeln – der medizinische Fachausdruck lautet „Graphomanie“).

Interessant ist, dass sich die Erste Liga der Redefrohen weniger in Bezug auf ihr Schwatzquantum als auf die Labermodalität unterscheidet. Die Brodnig-Formel etwa lautet: „Sichtkontakt = Beginn verbaler Kontaktaufnahme“ (was sich in der Folge zu bilateraler Kommunikation entwickeln, aber auch ein unilateraler Sprechakt bleiben kann). Als HP (hypermobile person) vertraut Brodnig darauf, dass sich unsere Wege schon kreuzen werden (und es ist vollkommen sinnlos, dies durch heroische Harndrangkontrolle hintertreiben zu wollen). Der Bernold manifestiert sich realphysisch in der Zimmermitte, wenn ihn ein Mitteilungsbedürfnis erfasst, wohingegen der Klenk anruft (Abstand der Fernsprechteilnehmer: ca. 3,5 Meter Luftlinie), und zwar ausschließlich kurz vor Redaktionsschluss. Er muss dann gaaanz dringend wissen, ob „diese Geschichte“ überübernächste Woche in der Politik oder im Feuilleton erscheinen solle. Ich habe von „dieser Geschichte“ noch nie gehört, und in 75 Prozent der Fälle höre ich auch nie wieder etwas davon.


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