Meinesgleichen

Hund: für Führschein oder Führerschein?

Falter & Meinung | aus FALTER 09/10 vom 03.03.2010

Die Wiener Volksbefragung hat eine Reihe von offenen Fragen hinterlassen. Eine der am seltensten erörterten ist eine sprachliche. Sagt man nun Hundeführschein oder Hundeführerschein? Die Gemeinde sagt Führschein, der Falter und andere Medien beharren auf Führerschein.

Ich plädiere für Führschein. Führerschein verweist zwar auf den Führer, was nicht nur anrüchig klingt, sondern meist auch falsch ist, denn es geht ja (abgesehen von den Feministinnen, die hier gleich einwerfen: „– und Führerinnenschein bitte“), um das Problem am anderen Ende der Leine, falls eine solche überhaupt vorhanden ist, wo eben nicht geführt wird.

Zweitens ist der Führerschein untrennbar mit dem Auto verknüpft; er degradiert das Lebewesen am einen Ende der Leine zu einem technischen Gegenstand, der auf Knopfdruck beherrscht werden kann, was im Hundefall offenbar nicht zutrifft. Das Hundsvieh steht in einer Beziehung zu Herrli oder Frauli, die in all ihrer Individualität den Straßenverkehr, wie wir ihn als ohnehin ausreichend gefährlich kennen, völlig unmöglich machen würde.

Drittens kommt beim Hundeführschein der Scheincharakter klarer zum Ausdruck als beim Führerschein. Oft genug führt der Hund, ja dessen ganzes Bestreben richtet sich stets darauf, die Führerschaft zu übernehmen. Das prekäre Herr-Hund-Verhältnis und sein Scheinführer sind mit Führschein besser und subtiler beschrieben als mit Führerschein .


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