Mediaforschung

Nachfragekolumne

Medien | Matthias Writze | aus FALTER 09/10 vom 03.03.2010

Herr Merlicek, wieso quälen Sie uns mit schlechtem Deutsch?

Ob Claudia Schiffer oder Cindy Crawford – für den Mineralwasserabfüller Vöslauer warben schon große Kaliber. Als Nächste in der Reihe folgt das britische It-Girl Agyness Deyn. „Wir wollten jemanden, der jugendlich spritzig wirkt und frech und authentisch rüberkommt“, erklärt Franz Merlicek von Demner, Merlicek & Bergmann. Aber wie lässt man jemanden, der kein Wort Deutsch spricht, authentisch für eine österreichische Marke werben? Eine Synchronisation kam nicht infrage. Die Lösung – ein Schummelzettel, den ein Regieassistent in die Höhe hielt, und so wurde der Slogan zu „Wear iung blybin will, muss froo damit anfangen“ verballhornt. „Authentizität geht über perfekte Aussprache“, sagt Merlicek.

Die Handlung: Deyn kommt zu früh zu einem Shooting. Alleine im Atelier schießt sie zum Spaß Fotos mit Selbstauslöser. Als schließlich der Fotograf auftaucht, zeigt sie ihm die fertige Bilderserie. Im Folgespot neckt das Model den Fotografen, der für ihre Fotos gelobt wird. Zur Feier gibt es Mineralwasser aus der Champagner-Pyramide. Passend zu Deyns Punkimage hört man im Spot wenig von der ätherischen Vöslauer-Kennmelodie, sondern Schlagzeug und E-Gitarren. Dass nicht jeder die Spots auf Anhieb versteht, ist für Merlicek kein Problem. „Sie werden eine längere Zeit laufen, da ist es gut, wenn man auf ein paar Dinge erst später draufkommt. Etwa die Rolle der Hunde.“

Im Spot steigt ein Chihuahua auf den Fotoauslöser und bringt das Model erst auf die Idee, selbst das Shooting zu beginnen. Mit dem zweiten Hund, einem Dackel, tanzt sie dann vor der Kamera. „Wir hatten die Idee auch wegen Deyns Ruf als Hundenärrin“, erklärt Merlicek – bekommt man das Modell doch selten ohne ihre zwei Vierbeiner zu Gesicht. Auch so kann man Authentizität zeigen.


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