„Es gibt genug Hengste am Markt“

Feuilleton | aus FALTER 09/10 vom 03.03.2010

Die Kunsthistorikerin und Ex-Spitzenpolitikerin Verena Krieger über Künstler als Machos und Manager

Feature: Matthias Dusini

Wegen einer Vergewaltigung in den 70er-Jahren saß der Regisseur Roman Polanski letzten Herbst in Untersuchungshaft, dann wurde er von einem Schweizer Gericht in Hausarrest entlassen. Zahlreiche Prominente, darunter auch der französische Präsident Nicolas Sarkozy, hatten für ihn interveniert.

Für die deutsche Kunsthistorikerin Verena Krieger ist der Fall ein Beispiel für das Nachwirken eines traditionellen Künstlerbildes. „Dem genialen Außenseiter werden sexuelle und soziale Abweichungen zugestanden“, sagt die an der Wiener Angewandten Lehrende. „Konventionen und das Strafrecht scheinen für ‚große Künstler‘ nicht zu gelten.“

Krieger veranstaltet ein Symposium über Selbstinszenierungen und Klischees von Künstlern. „Die Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts hat sich für den Urheber eigentlich nicht interessiert, sondern für das Werk“, sagt

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