Hundert Jahre Zeitausgleich

Befindlichkeitskolumne

Steiermark | aus FALTER 09/10 vom 03.03.2010

Die Tiere sind unruhig: Dreckige Gedanken im Zug

Prinzipiell muss man sagen, dass die Strecke Wien-Graz nicht ausreicht für tiefer gehende Begegnungen (Wien-Dornbirn ist da schon anders). Der Sonntag ist ja eher ein Tag zum aus Graz Rausfahren nach Wien als umgekehrt. Deswegen ist es selten, wenn Abteile schon in Wiener Neustadt voll sind und sich dann bis Graz nicht mehr leeren. Untypisch Beschäftigte, Wochenendbeziehungspfleger und Frettchenhalter, die sich den regelmäßigen Spaziergang der Grazer Frettchenfreunde (http://www.grazerfrettchen.info/gf) am Hilmteich nicht entgehen lassen wollen. Tiere im Zug sind ein Thema, da kommen bei den Wochenendbeziehungspflegern um die 60 gleich die Erinnerungen an den Zirkus Speisesoda auf, mit dem Wolfi Bauer und die anderen von Wien nach Graz gefahren sind, wobei der Affe die ganzen Käfige aufgemacht hat und die Viecher im ganzen Waggon frei herumgelaufen sind. Und am Schluss natürlich: eine wilde Party. Hoffentlich waren sie wenigstens kastriert. Wenn Frettchen nicht kastriert werden, produzieren sie die ganze Zeit Hormone, auch ohne die entsprechenden Betätigungsmöglichkeiten. Dieser erschöpfende Zustand kann bis zum Tod führen und nennt sich Dauerranz. Da kann sich das ganze Abteil drauf einigen, dass das ein schlimmer Zustand, aber ein lustiges Wort ist. Man könnte auch dazu sagen: oversexed and underfucked. Dann trinkt man echt schlechten Wein vom mobilen Boardservice und hat dreckige Gedanken.


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