Dithyrambische Kamine in Schwarz-Rot-Gold

Der Malerfürst Markus Lüpertz zieht in der Albertina Bilanz

Lexikon | Matthias Dusini | aus FALTER 10/10 vom 10.03.2010

Zusammen mit Georg Baselitz und Jörg Immendorf gehört Markus Lüpertz, Jahrgang 1941, zu jenen Künstlern der Kölner Galerie Michael Werner, die in den 80er-Jahren deutsche Malerei zu einer weltweit exportierten Marke machten.

Nun zeigt die Albertina eine repräsentative Auswahl von hundert Arbeiten sowie einige Bozzetti (Modelle für Skulpturen). Stilistisch knüpft Lüpertz an die Malweise des deutschen Expressionismus an. Dieser spontane Malgestus wird durch Verweise auf die (Kunst-)Geschichte gebrochen. Motive wie Stahlhelme oder Flaggen rufen die apokalyptische Dimension deutscher Romantik in Erinnerung, in deren ideologischen Treibsand auch expressionistische Maler wie Emil Nolde gerieten.

Die klassischen Titel seiner Skulpturen bilden einen Kontrast zu der bewusst grobschlächtigen Machart: „Der Apoll“ oder „Spielbein/Standbein“. Der Künstler scheut sich auch nicht, diese ästhetisch provokanten Objekte in den öffentlichen Raum zu stellen. Eine Mozartskulptur wurde 2005 in Salzburg beschädigt. „Ich brauche nur irgendwo eine Skulptur hinzustellen, und schon geht’s los – sie wird bestenfalls verbal abgelehnt, schlimmstenfalls geköpft, geteert und gefedert.“

Den Kern der Albertina-Ausstellung bilden 15 monumentale Werke auf Karton. Ein Saal ist den „Deutschen Motiven“ gewidmet, ein weiterer den „Dithyramben“. Mit diesem Begriff aus der griechischen Lyrik bezeichnet der Künstler eine Serie von Gemälden, auf denen abstrakte tektonische Gebilde im Bildraum schweben.

Die Wiener Schau folgt einer großen Retrospektive in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn, die von der Kritik zwiespältig aufgenommen wurde. In der Öffentlichkeit zeigt sich der ehemalige Rektor der Düsseldorfer Akademie stets in dandyesker Kleidung, was ihm den Titel eines Malerfürsten eintrug.

Albertina; bis 6.6.


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