Kritiken

Schrettle im Tag: Sag mir, wo die Millionen sind

Lexikon | Martin Lhotzky | aus FALTER 10/10 vom 10.03.2010

In 70er-Jahre-Dekoration (erinnert sich noch jemand an „Dalli Dalli“?) und 70er-Jahre-Gewand lässt Johannes Schrettle (Jahrgang 1980) in seinem neuen Stück „Wie ich mit 12 Millionen Euro den Kapitalismus rette“ Agnieszka Wellenger, Horst Heiß und Julian Loidl Schabernack treiben und von Reichtums-, nicht bloß Wohlstandsverwahrlosung erzählen. Vom ursprünglichen Plan blieben nur der Titel und eine Tippgemeinschaft aus Theaterleuten und Publikum. Man darf also durchaus einen Gewinn erhoffen, selbst wenn der grellbunten Collage mittendrin die Luft ausgeht. Darüber täuschen die flinken Akteure mit Slapstick in ständig wechselnden Rollen (ein Dreiecksbeziehungsdrama, fünfmal mit falschem Text wiederholt) hinweg. Dann sieht man noch den russischen Oligarchen mit Geldkoffer, Lottomillionäre ohne Freunde und hört witzige schlechte Lieder. Den Zusammenhang bildet allein die Findung der sechs Lottozahlen. Zu viel von allem und zwei, drei kapitalismuskritische Sätze drübergestreut lassen den Abend dennoch länger wirken, als er ist.

Tag, Sa, Di, Mi, Do 20.00


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