Kritiken

Ein Jux mal drei: Nestroy heute

Lexikon | Bettina Hagen | aus FALTER 10/10 vom 10.03.2010

Unter dem Vorwand, das Gesamtwerk Nestroys zu inszenieren, lässt sich’s gut werken und berserkern. In der Garage X pressen drei Regisseure für das zeitgenössische Theater relevante Säfte aus Nestroys Hirnrinden und Lenden. Ihr „Projekt N.“ enthält gemeinsame Ingredienzien wie das Aufmüpfige, das märchenhaft Überzeichnete und das Wienerische. Andreas Erstling lässt Nestroy’sche Handwerksgesellen immer wieder aus ihrer Fernsehhöhle kriechen und am Fuße einer Showtreppe griffige Textzitate in verschiedenen wienerischen Tonarten vortragen. Susanne Lietzow stellt schaurig-schöne Nestroy-Figurinen, die aus Robert Wilsons Universum entlehnt zu sein scheinen, auf eine schiefe Bühne. Und Daniel Schrader schickt ein Wiener Original und einen Berliner Zauberlehrling auf die aktionistische Suche nach N. und der Liebe. Das Ergebnis ist bei Erstling gut gemeint, bei Lietzow gut gemacht (Kostüme!) und bei Schrader so daneben, dass es schon fast wieder Charme hat, wenn auch berlinerischen.

Garage X, So 20.00


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige