Kritik

Die produktive Kraft der Destruktion

Lexikon | Manisha Jothady | aus FALTER 10/10 vom 10.03.2010

Ein Erdhaufen, drei zum Sitzkreis arrangierte Stühle, nachlässig zugespachtelte Löcher in der Wand, Metallplatten, die den Zugang zu einem Nebenraum versperren und ein Schacht, der in ein Kellergewölbe führt. Derart gibt Hannes Zebedin dem Desolaten Gestalt, bedient sich einer Rhetorik der Zerstörung, um die Möglichkeiten politischen und künstlerischen Handelns auszuloten.

Eingriffe vandalistischer Natur hat der 1976 geborene Künstler schon in vorangegangenen Projekten inszeniert. 2009 schlug er für seine Ausstellung in der Secession die Fensterscheiben des Grafischen Kabinetts ein. Erinnerten die am Boden verstreuten Glasscherben und Pflastersteine damals an Straßenkämpfe, so fühlt man sich nun wie in einem Gebäude, das unter Beschuss stand. Wieder einmal also ist es der Kunstraum, der gesellschaftliche Missstände bündelt.

Zebedins agitatorische Haltung legt Spuren in die 70er-Jahre als etwa Gordon Matta-Clark den skulpturalen Charakter leer stehender Gebäude propagierte, indem er Löcher in deren Fassaden schnitt. Auch der institutionskritische Anspruch seiner Lehrerin Monica Bonvicini sickert hier durch.

Den G8-Gipfel in Genua greift der Künstler in zwei Videoarbeiten auf. In einer davon schwimmen bunte Plastikflaschen im Fluss. So ringt Zebedin selbst dem Thema Umweltverschmutzung noch ästhetische Qualitäten ab.

Der eingangs erwähnte Kellerschacht führt zu einer Diaprojektion, die preisgibt, woher die Erde in der Galerie stammt: In einer städtischen Randzone hat der Künstler ein Loch in den Boden geschaufelt und eine Leiter darin beerdigt. Die Hoffnung, dass sich die Gesellschaft eines Besseren besinnt, scheint damit endgültig begraben.

Galerie Amer Abbas / Kunstbüro, bis 26.3.


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