Ohren auf: Konzeptkopfkino in Scandiscope

Sammelkritik

Lexikon | Klaus Nüchtern | aus FALTER 10/10 vom 10.03.2010

Ein Gongschlag. Es folgt die Einblendung eines ostinaten Motivs am Baritonsax, das sich beharrlich in Richtung Free-Jazz-Ekstase entwickelt, ehe nach wenigen Sekunden dasselbe Motiv von der Bassklarinette aufgegriffen, von einer Art Elektrocembalo, Bläsern und Gitarre in Richtung Sixties-TV-Serie gebeamt wird. Unterwegs werden minimalistische Vibes aufgelesen, ehe Billigsdorferbombastik zwischen Italowestern und Frank Zappa dem Stück dann noch eine zusätzliche Fledermaus in den Glockenturm setzt.

Wären alle Nummern auf dem jüngsten Album des norwegischen Nu-Jazz-Kollektivs Jaga Jazzist so schlüssig spinnert wie das Titelstück „One-Armed Bandit“ (Ninja Tune), man könnte seinen ungebrochenen Spaß daran haben. Das Problem aber ist, dass der Verlauf der Stücke bei aller Freude am Brachialeklektizismus ziemlich vorhersehbar ist. In den besten Momenten klingen Jaga Jazzist so, als wären die Flaming Lips eine Konzept-Jazzband, in den schlimmsten, als hätte ein Irrer Steve Reich


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