Kunst Kritik

Geisterbahn quer durch die Filmgeschichte

Steiermark | Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 10/10 vom 10.03.2010

Die Filmgeschichte ist auch abseits kämpfender Avatare noch sinnvoll ins Dreidimensionale hinein weiterzuspinnen. Das zeigt Norbert Pfaffenbichler im Kunstverein Medienturm. Als Mittelstück der letztes Jahr begonnenen, dreiteiligen Kooperation mit der Diagonale handelt die Ausstellung „Silent Alien Ghost Machine Museum“ von den Unterschieden und Gemeinsamkeiten der Medien Kunst und Kino, transformiert also Elemente des Films in hermetische Installationen, die in sieben voneinander klar abgegrenzten Räumen mit je eigener Lichtregie Fotografie, Malerei, Videocollage und Assemblage vermischen und dabei Aspekte der Filmgeschichte fühlbar machen sollen. Mit der nötigen Bereitschaft zur Einfühlung in das durchwegs tonlose Ambiente erfährt man dabei, was Heroen wie Chaplin oder Pasolini so ausmacht, wird in die unheimlichen Abgründe der Traumfabrik entführt, erkennt im Kino ein Propagandainstrument, das nebenbei auch geisterhafte Wesen einfängt. Pfaffenbichler spielt mit Perspektivwechseln und harten Schnitten und scheut sich keinesfalls, auch Referenzen auf die eigene Person und Künstlerschaft in die Auseinandersetzung zu verweben. Am deutlichsten dort, wo er sich mit Thaddäus Tentakel identifiziert, dem sarkastisch missmutigen Tintenfisch und verkannten Kunstgenie der Unterwasserwelt von Spongebob. Und tatsächlich war Pfaffenbichler vormals auch trister und überhaupt strenger im Zumuten abstrakter Kunstformate, als Kind aber schon einmal ganz nahe dran am cineastisch Geisterhaften, wie die Arbeit „Vampyr“, ein Foto aus dem Familienalbum, das den Künstler als jungen Blutsauger zeigt, beweist.

Kunstverein Medienturm, bis 22.5.


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