Kunst Kritik

Zündfunke im neuen Raumensemble

Steiermark | aus FALTER 10/10 vom 10.03.2010

Anfänge müssen bewältigt werden“, ist das ein Stockwerk weit übersiedelte, vom Architekturbüro mohr steger architektur (Wien) neu designte Kulturzentrum bei den Minoriten überzeugt, und greift daher gleich zu Beginn eines ambitionierten Jahresprogramms auf das christlicherseits so gerne wie oft kopierte Urbild heilsbringenden Engagements zurück. „Prometheus!“, der im Himmel für die Sterblichen das Feuer stahl, dafür an einen Fels gebunden und von einem von Zeus abgerichteten Adler zu Hackfleisch verarbeitet wurde, ist Titelheld der ersten Ausstellung im neuen durchsichtig und sensibel restaurierten Raumensemble, für die dazu eingeladene Künstlerschaft leuchtende Wegmarke beim Zelebrieren zeitgenössischer Widerständigkeit. Dazu wird ein selten illustrer, um ein paar internationale Positionen wie Berlinde de Bruyckeres pralle Leidensrealistik oder Jorgo Pardos Seelenstriptease-Leuchtobjekte ergänzter Reigen heimischer Prominenz aufgeboten: Vom ironisch verknappten Lichtschwert eines Manfred Erjautz über Christian Eisenbergers karamellisierte Zuckerkreuze zu G.R.A.M., die sich selbst als Siegfried und Roy samt Porzellantiger in Szene setzen, und Petra Sterry, die sich fragt, wie lange das ewige Leben dauern könnte, vertraut man nur auf die richtigen Maschinen. ILA hat wichtige Erkenntnisse zum Zusammenhang von DNA und Raumzeit gewonnen, Klaus Mosettig den Staub in seinen Diaprojektoren lieb gewonnen und Werner Reiterer zeigt den Arbeitsplatz Gottes, der in fünf Minuten zurück sein will, dessen Handy aber permanent klingelt. Lieber Gott, wenn du das liest: ein Bayer in Rom bittet dringend um Rückruf. ut

Kulturzentrum bei den Minoriten, bis 25. 4.


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