Junge Opfer der Kunst im Italien des 18. Jahrhunderts

Starsängerin Cecilia Bartoli gibt Kastratenhits

Steiermark | Herwig G. Höller | aus FALTER 10/10 vom 10.03.2010

Acht Millionen verkaufte CDs, zahllose Preise und goldene Schallplatten, oftmalige Präsenz in internationalen Popcharts: Die italienische Mezzosopranistin Cecilia Bartoli zählt derzeit zu den großen Namen der internationalen Klassikmusik, ihre Interpretationen von Gluck, Händel, Salieri und Vivaldi waren kommerziell äußert erfolgreich. Aber auch Bartolis Konzerte versprechen einiges. „Das ist ein Gesamtpaket", schrieb der britische Guardian vergangenen Herbst: „Sie bekommen eine große Persönlichkeit, eine extrovertierte Show und technisch anspruchsvolle Vokalmusik rund um das Repertoire ihrer aktuellen CD."

Diese trägt den programmatischen Titel „Sacrificium" und beschäftigt sich mit einer dunklen Seite vor allem der italienischen Musikgeschichte. „Mitte des achtzehnten Jahrhunderts", so erzählt Bartoli in ihrem pathetisch inszenierten Promovideo, „wurden in Italien jedes Jahr mehr als 4000 Knaben kastriert." Der brutale medizinische Eingriff verhinderte den pubertären Stimmbruch, die Betroffenen behielten lebenslang eine kindlich hohe Stimmlage. Namhafte Komponisten komponierten dafür Werke, und wenige Kastraten avancierten damals auch zu gefeierten Popstars.

Bartoli konzentriert sich in ihrem Programm auf eine konkrete Kastratenmusikschule in Neapel, die berühmte Kastraten wie Farinelli und Cafferelli hervorbrachte. Damals hitverdächtig, sind die von der Mezzosopranistin interpretierten Arien 200 Jahre später gutteils vergessen. Schöne Musik – mit einer bösen Vorgeschichte.

Stephaniensaal, Mi 19.45


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