Am Apparat

Telefonkolumne

Politik | aus FALTER 10/10 vom 10.03.2010

Schämen Sie sich für die Kronen Zeitung, Herr Martin?

Nicht zuletzt wegen der Unterstützung der Krone erhielt Hans-Peter Martin bei der EU-Wahl im Jahr 2009 knapp 18 Prozent. Danach verschrieb er sich dem Kampf gegen rechts. Nun unterstützt die Krone, für die Martin nicht mehr schreibt, die Rechtsextreme Barbara Rosenkranz bei der Präsidentschaftswahl.

Wie denken Sie über die Kandidatur von Barbara Rosenkranz?

Ich bin entsetzt. Und dass Hans Dichand ihr die Unterstützung zusagte, betrübt mich außerdem. Für die eidesstattliche Erklärung von Rosenkranz gilt: Die Botschaft hör ich wohl, allein, mir fehlt der Glaube.

Auf der einen Seite kämpfen Sie gegen rechts. Auf der anderen Seite haben Sie lange für die Krone geschrieben, ein Blatt, das auch den rechten Rand bedient.

Auch Kardinal Schönborn schreibt und Günther Nenning schrieb in der Krone. Sie ist ein weltweit einzigartiges Kaleidoskop einer nationalen Seele, wird aber in ihrer Wirkung überschätzt. Wenn es tatsächlich so wäre, dass ich ihr bei der EU-Wahl die 18 Wählerprozent verdanke, müsste die Frau Rosenkranz jetzt 40 Prozent der Stimmen bekommen.

Verspüren Sie keine Scham?

Wenn man diesen Standard ansetzen würde, dürfte man in Österreich fast gar nichts machen. Es ist doch etwa grauenvoll, wie im ORF manipuliert wird. Und in der Politik fehlen unabhängige Kandidaten gegen das Parteienoligopol. Dadurch erhält die FPÖ oft falschen Auftrieb. Trotz meiner nervenden Ohrenkrankheit werde ich wohl bald wieder in der Krone schreiben, um andere Akzente zu setzen.

Wen werden Sie wählen?

Österreich ist vergleichbar mit Frankreich, als Chirac gegen Le Pen in die Stichwahl musste. Viele Sozialisten wählten zähneknirschend Chirac. Mit dem Ergebnis 85 zu 15. Noch schwanke ich zwischen Wahlenthaltung und dem österreichischen Chirac. Aber es geht nicht um mich, sondern um die ÖVP-Wähler: Werden die merken, was auf dem Spiel steht?

Interview: Stefan Apfl


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