Nachgesehen

Der Schauplatz, am Tag nach dem Geschehen noch einmal betrachtet

Politik | Martin Gantner | aus FALTER 10/10 vom 10.03.2010

„I bin ned organisiert“, sagt Bettler Ali. Für die Politik hat er Verständnis

Ich führe ein Müllsammelleben“, sagt Ali, „und ich schäme mich dafür.“ Seit 15 Jahren steht der gebürtige Teheraner schon am Schottentor und bittet stets höflich und gepflegt um ein paar Cent. Manchmal bekomme er mehr, manchmal weniger und ab und zu nur ein „Geh arbeiten, du fauler Sack!“. Schnorren sei ein täglicher Kampf ums Überleben, erzählt der 52-Jährige: „Die Suppe vom Canisiusbus, die Kleidung von der Caritas, das Bett in der Gruft.“ Immer wieder fragen Polizisten, was er hier mache, und Ali ahnt, dass die Uniformierten künftig öfter Fragen stellen. Auch er hat bereits von den Plänen der Wiener SPÖ gehört, gewerbsmäßiges und organisiertes Betteln verbieten zu wollen. Er kann es verstehen, Bettelei sei schließlich schlecht für den Tourismus. Doch was soll man machen, fragt er, oftmals bliebe den Menschen nichts anderes übrig. „Dennoch muss man ein bisschen streng sein“, meint er im Hinblick auf Bettler aus dem Osten, „sonst sind statt 100 plötzlich 1000 da.“


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