Mediaforschung

Nachfragekolumne

Medien | Anna Sawerthal | aus FALTER 10/10 vom 10.03.2010

Warum ist der Online-Standard joghurtlila, Herr Stöcher?

Rund 500.000 User klicken täglich auf derstandard.at. Am Aschermittwoch werden sie sich gewundert haben: Nicht das übliche Blau-Grau flimmerte am Schirm, sondern in pastellenem Joghurtlila verkündete die Homepage vor allem eines: Nöm! Die Schrift war im Nöm-Design gehalten, neben den Meldungen stand: „Ermitteln Sie Ihren Fastentyp!“

40.000 Euro lässt sich Nöm seinen Exklusivauftritt für einen Tag kosten. Es ist stets ein Gezerre zwischen Marketing, Redaktion und Werbekunden, wenn Startseitenmutationen gewünscht werden. „Die redaktionellen Inhalte dürfen nicht überlagert werden“, sagt Verkaufsleiter Matthias Stöcher. Das Standard-Logo darf aber schon mal im Westernlook erscheinen, wenn Telering eine neue Kampagne startet; die Nachrichten dürfen auch mal auf Ikea-Tapeten präsentiert werden, wenn Ikea „Farbe in dein Zuhause bringen will“. Nur aktuelle Meldungen oder Sprechblasen auf Bildern sind tabu. „Es geht nicht, dass ein User erst mal vier Handstände und drei Purzelbäume machen muss, um zum redaktionellen Inhalt zu kommen“, sagt Stöcher. Sonst würden die User davonlaufen und mit ihnen die Werbekunden.

Höchstens einmal pro Monat verkauft der Web-Standard seine Seite eins. „Die Benutzer können unser Produkt gratis konsumieren. Die Produktion ist aber nicht kostenfrei“, sagt Stöcher. Er hält daher wenig von Usern, die mithilfe eines Tools Werbung im Browser ausschalten. Stöcher spricht von „geschäftsschädigendem Verhalten“. Kritik von Benutzern gibt’s jedenfalls regelmäßig. Vor zwei Jahren etwa war die ganze Startseite in einen Samsung-Fernseher eingebaut. Benutzer mit kleinem Bildschirm meldeten sich verärgert, weil sie ständig rauf- und runterscrollen mussten: Der Sudoku passte nicht mehr in den Rahmen.


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