Hier bin ich nicht mehr zuhause

Medien | aus FALTER 10/10 vom 10.03.2010

Nach 35 Jahren beendet Franz Kössler, einer der renommiertesten Journalisten Österreichs, seine Karriere – und zieht ein bitteres Resümee

Bilanz: Franz Kössler

Journalisten genießen ein immer geringeres Ansehen, sie bekommen immer schlechtere Verträge und müssen immer schneller immer mehr produzieren. Der Journalismus ist anders geworden. Einem, der wie ich vor 35 Jahren Journalist geworden ist, fällt es schwer, sich in der veränderten Landschaft noch zuhause zu fühlen. Ich komme aus der Welt der 68er und bin Journalist geworden, weil ich von der gesellschaftlichen Rolle der Information überzeugt war. Ich hatte in Frankfurt Philosophie studiert und bin nach Rom gezogen, habe ein Journalistenexamen gemacht, um in einer linken Zeitung zu arbeiten, die von kritischen Geistern gegründet worden war. Il manifesto verstand sich in der Tradition Antonio Gramscis, eines marxistischen Theoretikers, der die Zeitung als „kollektiven Intellektuellen“ beschrieb, einen Ort der Aufklärung


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