Stadtrand

Urbanismuskolumne

Stadtleben | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 10/10 vom 10.03.2010

Ist die Kuh das neue Wappentier von Neubau?

Nachts kann man auf der Neubaugasse zwar nicht einkaufen. Damit man aber nicht vergisst, am nächsten Tag zum Einkaufen wiederzukommen, gibt es auf der Neubaugasse nach Einbruch der Dunkelheit Reklame. Und zwar hübsch dezent. Da wehen nicht nur zur Weihnachtszeit ein paar weiße Plastikkugellampen über der Straße im Wind. Ein mageres Neonfädchen schreibt krakelig „Neubaugasse“ (Wo sind wir hier?) in den Nachthimmel, und lichtschwache Diaprojektoren werfen „lustige“ Zeichnungen mit Kühen an Häuserwände. Ja, schon kapiert, es ist ein Sprachspiel: Die Kuh soll andeuten, dass alles so irre cool – „kuhl“ – ist im schönen Neubau. Ist es aber nicht! Vielmehr ist es überaus uncool. Was hier werbetechnisch passiert, wirkt selbstgebastelt, provinziell und peinlich. Und hat sicher einen Haufen Geld gekostet. Womöglich möchte man ja eine junge Zielgruppe ansprechen. Aber der öffentliche Raum ist doch keine WG-Party! Also weg mit dem Plunder und endlich großstädtisch werden. Da sind wir nämlich gar nicht kulant. Sorry: Kuh-lant.


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