Bluten statt Dopen

Stadtleben | aus FALTER 10/10 vom 10.03.2010

Außer Bernhard Kohl will niemand im Institut Humanplasma gedopt haben – nur geblutet

Bericht: Gerd Millmann

But I didn’t inhale – solcherart gestand Bill Clinton seine Jugendsünde Pott-Rauchen. Bei Austro-Doping funktioniert das ähnlich verschroben: „Ja, ich war mit Sportlern bei Humanplasma, um Blut abzunehmen. Aber wir haben es dann nicht wieder rückgeführt“, erklärt Martin Keßler, österreichischer Ruderbundestrainer, seine Besuche bei der Wiener Blutdopingzentrale Humanplasma.

„Bluten“, um die Leistung zu steigen, ist aber ebenso effektlos wie Haschen ohne inhalieren. Auch die Olympiasilberne von Sydney 2000, Steffi Graf, schließt wie Keßler eine Rückfuhr ihres bei Humanplasma entnommenen Bluts aus.

Fragt sich nur, was Humanplasma mit den hunderten Blutbeuteln von mindestens 30 „Spendern“ getan hat, die 2003 bis 2006 mit Sportlerblut gefüllt wurden. Einzig Tour-de-France-Dritter Bernhard Kohl hat bisher gestanden, sich das Blut wieder rückgeführt zu haben. Durch Eigenblutdoping transportiert mehr Blut mehr Sauerstoff durch den Körper. Die Leistung steigt.

Immerhin: Ein Lichtscheinchen ist auf die Doping-Causa gefallen. Ex-ÖSV-Trainer Walter Mayer, Martin Keßler und Sportmanager Stefan Matschiner sind die Initiatoren des Blutdopings in Wien gewesen, hat Humanplasma Ende Februar verkündet. Matschiner und Mayer müssen mit Verfahren rechnen. Keßler war 2005 nach neun Trainerjahren nach Vorarlberg gewechselt und wirkt dort als Chef des Sportservices. Sport-Landesrat Siegmund Stemer sieht keine Veranlassung, an seinem Protegé zu zweifeln: „Das war kein Doping und alles lange, bevor er bei uns im Dienst war.“


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