Ins Mark

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 10/10 vom 10.03.2010

Unter Steirerseppen

Rechtzeitig zum Frauentag lässt sich der so genannte „Steirersepp“ in einer Glosse im Steiermark Report, der offiziellen Publikation des Landes, anonym über das „Gfret mit den Frauen“ aus: Er geht mit einem Freund auf „die Piste“, um den sich die Frauen nur so zu reißen scheinen, doch keine ist gut genug: weder die „feurige Rothaarige“ noch die „rassige Schwarzhaarige“. Letztere ist gut gekleidet, weil „der Papa eine große Firma hat“, deshalb schließt der Freund, der gehe „es sicher nur ums Geld“. Zuletzt kommt eine Blonde, die ein bisschen „einfach“ ist. Vor allem ist die Glosse eines: fürchterlich platt. Darüber hinaus lässt sie, was Frauen betrifft, kaum ein Klischee aus. Der Landespressedienst bedauert, nimmt den peinlichen Text aber nicht von der Website. Im Steirersepp-Land sind übrigens nur 25 der 542 Bürgermeister Frauen, in Restösterreich sieht es nicht besser aus. Eine Trendumkehr ist nach den Wahlen am 21. März kaum zu erwarten. Ein Grund dafür ist, dass Männerseilschaften auch in Parteien eben immer noch gut funktionieren. SP-Landesrätin Elisabeth Grossmann tritt nun für Sanktionen bei der Förderung ein, wenn Parteien Frauen nicht zum Zug kommen lassen.

Gleichzeitig betont sie, Kinderbetreuungsplätze auszubauen. Trotzdem ist nur in Oberösterreich die Betreuungsquote bei unter Dreijährigen noch niedriger als in der Steiermark, und viele Kindergärten am Land sperren nach wie vor zu Mittag. Darunter leiden die Karrieren von Frauen. Denn das ist kein Klischee: Noch immer sind hauptsächlich sie für die Kinder zuständig. Bis sich das ändert, sind es wohl weiterhin die Steirerseppen, die große Töne spucken.

Donja Noormofidi leitet den Politikteil im steirischen Falter


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