Doris Knecht

Das mit den Namen war keine gute Idee

Selbstversuch

Kolumnen | aus FALTER 10/10 vom 10.03.2010

Drei Wochen lang hatten wir Lazarett. Kind krank, Kind krank, Mutter krank, Kind krank, Kind krank, und jetzt sind die Mimis komplett ruiniert vom Fernsehen. Sie singen und tanzen Werbespots nach, träumen schlecht, haben das Spielen verlernt und zucken wegen jedem Scheiß aus. Die Mutter im Übrigen auch. Die Mutter würde wieder einmal gern ein paar Stunden lang nicht angesprochen werden, von niemandem, einfach nur gar nicht. Nur den Sound of Silence hören, verziert mit ein paar Geräuschen von der Straße und aus dem Ballkäfig, die mit mir nichts zu tun haben und an die keine Forderungen und Beschwerden appliziert sind. Wieder ganze Tage nur unter Erwachsenen verbringen, in Ruhe in der Redaktion schreiben, mittagessen gehen mit dem C. oder dem T. oder der B., dazu Wein trinken, statt Nutellabrote schmieren und magenschonendes Karottensüppchen nach dem Rezept von Dr. Urban kochen, das dann sowieso abgelehnt wird. Gemoser, den ganzen Tag.

Dieses wurde immerhin am Samstag unterbrochen von Horwaths 50er, im Wetter, sehr nett. Wir schmissen die Kinder in der Ecke auf einen Haufen, warfen Nintendos und Weißwürste mit Ketchup hinterher und konnten so mehrere Stunden ungestört mit Erwachsenendingen verbringen, aka trinken, rauchen, reden und Blut- und Leberwürste vom Metzger Fontain in Dornbirn essen, ohne dass die Kinder dazu Würgegeräusche machten. Das war sehr schön, obwohl das Geschenk für den Horwath nicht rechtzeitig angekommen war, dabei hätte es so gut zu den Würsten gepasst. Und der gute Herr Devich war extra noch am Mittwochnachmittag in Bezau, Bregenzerwald, mit einem Paar wunderhübscher, lammfellgefütterter Rindsfell-Hölzler der Größe 45 zur Post marschiert, wo man es dann genau so lange liegen ließ, dass es dann nicht pünktlich ankommen konnte. Danke, liebe Post. Deswegen kann ich auch noch nichts über die Reaktion des Horwath erzählen, der uns exilierte Gsiberger (plus dem Langen) jetzt seit Jahren wegen dem Schuhwerk verlästert, das wir im Waldviertel praktisch ausschließlich an den Füßen tragen. Aber heuer hat ja auch Lagerfeld Holzclogs, das überzeugt den Horwath vielleicht von der Sinnhaftigkeit seines Geschenks.

Weil: Was schenkt man einem wie dem Horwath zum 50er? Das Werkzeug, damit er endlich mal eins seiner fetten Sulmtaler mordet, hat er schon gekriegt. Gut: Die Felders schenkten ihm ein Kochbuch mit Hendlrezepten, das wird er hoffentlich bald benützen. Er nennt die Hendln jetzt auch schon „Hendln“ und nicht mehr bei ihren Namen, wir waren von Anfang an gegen die Namen, da wird doch das Verhältnis vom Bauern zu seinem Schlachtvieh viel zu intim und vertraulich. Wir halten es für einen Schritt in die richtige Richtung, dass der Horwath dieses Verhältnis jetzt allmählich auf eine prosaischere Ebene herunterschraubt, und hoffen sehr auf Ostern.


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