Kommentar

Weniger Prestige, mehr Ideen für die Problemzonen am Gürtel

Neugestaltung Gürtel

Falter & Meinung | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 11/10 vom 17.03.2010

Am Dienstag präsentierte Wiens Planungsstadtrat neue Projekte für den Gürtel: Fußgängerwege- und überführungen, Glaswände, Spritzschutz, alles toll. Durch eine Indiskretion fiel bereits eine Woche vorher ein berühmter Name: Vito Acconci. Wobei der New Yorker Stararchitekt (Grazer „Murinsel“) regelmäßig ins Spiel gebracht wird, wenn es um die Aufwertung der Problemzone zwischen Innen- und Außenbezirken geht. Ein weltberühmter Designer also hat – gemeinsam mit einem Wiener Büro – eine Art künstliche Erlebnislandschaft geplant, die zwischen Burggasse und Herbststraße über der U6-Trasse hängen soll.

So weit, so futuristisch. Abgesehen davon, dass noch offen ist, wie die schöne neue Erlebniswelt (kolportierte Kosten für Acconcis Landschaft, unbegrünt: fette zwei Millionen Euro) finanziert werden soll, stellt sich die Frage, wie zweckmäßig derlei Prestigeprojekte sind. In raunzigen Wiener Worten: Brauch ma des?

Eher sollten Planer zukünftige Nutzer solcher Gebiete miteinbeziehen. Ansprüche und Anforderungen genau erforschen, statt schicke Objekte wahllos zu verteilen; social design statt großer Namen.

Ende 2001 ging am Hernalser Dornerplatz Europas größte Klangskulptur in Betrieb. Aus Lautsprechern tönte Multikultiradio, Anrainer wollten Ruhe statt Konzeptlärm. Seit drei Jahren schweigen die 14 Meter hohen Stahlplatten, jetzt ist der Wartungsvertrag ausgelaufen. Geld fehlt. Und Ideen für die Kunstruine.

Was kostet eigentlich so eine Acconci-Kunstlandschaft im Unterhalt? Wie öffentlich ist die schöne Terrasse der Gürtel-Hauptbibliothek? Und wo kommt hier, bitte schön, der nächste Ballspielkäfig hin?


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