Was ist das, bürgerlich?

Politik | aus FALTER 11/10 vom 17.03.2010

Das Wiener Bürgertum hat seine kulturelle Überlegenheit längst verloren. Geblieben ist nur Kleinmut

Spurensuche: Julia Ortner

Die Bergsalami ist aus Frankreich, das Olivenöl aus der Toskana, das Rindsfilet aus Japan, Wagyu-Beef für 299 Euro das Kilo. Das Personal im eleganten dunklen Interieur übt sich in antiquierter Höflichkeit. Hier kann man noch den bodenlangen Zobel ausführen, ohne von Tierschützern angepöbelt zu werden, hier kann man noch ungestört von Sozialneid ein halbes Durchschnittsgehalt in Wein und Meeresfrüchte investieren. Der Meinl am Graben ist ein Haus, in dem der diskrete Charme der Bourgeoisie überall spürbar ist. Einer der wenigen Plätze, der die alte Welt des großbürgerlichen Wien widerspiegelt.

Es gibt in der modernen Stadt nur mehr wenige Orte, denen die Bürgerlichen ihren Stempel aufdrücken: das Sacher, der Musikverein, die Josefstadt. „Vom Geist der Bürgerlichen des 19. Jahrhunderts ist nicht viel geblieben. Heute beschränken sich ihre Nachkommen


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