Mediaforschung

Nachfragekolumne

Medien | Lukas Plank | aus FALTER 11/10 vom 17.03.2010

Herr Storath, warum werben Sie mit Wahnsinnigen?

Ein Mann schwingt einen riesigen Hammer, in schnell geschnittenen Bildern fletschen Menschen Zähne, fahren sich verzweifelt übers Gesicht und blicken irr in die Kamera. Dazu hört man aggressive Musik und Schneid-, Hack- und Schmettergeräusche. Dann erscheint der Satz: „Wie viel Wahnsinn steckt in Dir?“

Nein, das ist nicht der Trailer zu einem Horrorfilm. Es ist der aktuelle Werbespot von Hornbach. Dass Hornbach-Werbungen schräg sind, ist nichts Neues. Aber ein Baumarkt, der Werbung mit Wahnsinn und Zerstörung macht – kann das funktionieren? „Es ist kein zerstörerischer Wahnsinn, sondern ein produktiver Wahnsinn. Und dieser ist die größte Form der Leidenschaft“, sagt Matthias Storath von der Berliner Werbeagentur Heimat. Gemeinsam mit Guido Heffels, Mark Hassan und Teresa Jung hat er die Idee für den Spot entwickelt. Der „produktive Wahnsinn“ zeige sich vor allem im Gesichtsausdruck, erklärt Storath. Daher haben die Werber ganz auf Großaufnahmen von angespannten und wütenden Gesichtern gesetzt.

Seit kurzem wird der Spot in mehreren Ländern ausgestrahlt. Ein zweiter soll bald folgen, auch in diesem wird es wieder um „Wahnsinn“ gehen. Zwar funktioniere die Fernsehwerbung auch ohne den Internetauftritt des Baumarkts, so Storath. Trotzdem ist auf hornbach.at einiges rund um die Idee vom „produktiven Wahnsinn“ zu finden. So kann man sich hier die Frage „Wie viel Wahnsinn steckt in Dir?“ von einem „Wahnsinnsregler“ beantworten lassen. Je nachdem, welches Bauprojekt man plant, zeigt dieser an, wie irr man ist. Wer einen Gartenteich plant, ist hochgradig wahnsinnig. Wer ein Aquarium bauen will, ist zumindest ein bisschen verrückt. „In jedem von uns steckt ein Funken Wahnsinn“, meint Storath schmunzelnd.


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