Das zweite Buch aus Nepal

Feuilleton | aus FALTER 11/10 vom 17.03.2010

Die Chronik einer Beschämung: „Der Liebesguru“ von Samrat Upadhyay

Buchkritik: Karl-Markus Gauss

Österreich und Nepal ähneln einander darin, dass es da wie dort nicht nur Bergführer, sondern auch Schriftsteller gibt. Und da zu den vielen Defiziten, die Nepal in politischer und ökonomischer Hinsicht attestiert werden, eines nicht gehört, nämlich die religiös verbrämte oder kulturell verklärte Unterdrückung der Frauen, gibt es im Land der gewaltigen Berge sogar hochgeachtete Schriftstellerinnen.

Gleich das erste Buch der nepalesischen Literatur, das ins Deutsche übersetzt wurde, stammt von einer Frau, Manjushree Thapa, deren gewitzter Roman „Geheime Wahlen“ 2008 in der eigens für dieses Buch gegründeten Edition Kathmandu erschien.

Wer das Glück hatte, dass ihm dieses Buch in die Hände fiel, der mochte darüber staunen, dass ausgerechnet aus Nepal eine so emanzipierte Frau auf so aufgeklärte, selbstbewusste Weise zu uns spricht.

Solches Staunen wächst aus einem europäischen

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