Die vertikale Stadt

Stadtleben | aus FALTER 11/10 vom 17.03.2010

Weltweit protzen moderne Städte mit ihren Skylines. Wien hat gleich zwei davon. Über den urbanen Drang nach dem Größer und Höher

Reportage: Joseph Gepp

Wien ist eine Stadt, in der der Blick normalerweise an kleinen Dingen haften bleibt, an einem verspielten Dachgesims, einem ornamentenreichen Erker, einer altertümlichen Geschäftsaufschrift.

Am Donaukanal bei der Taborstraße aber strebt der Blick nach oben, in Richtung großer, vertikaler, spiegelglatter Flächen. Links steht Hans Holleins Media Tower aus dem Jahr 2000, 71 Meter hoch, gekrönt von einer blitzenden News-Werbung. Rechts, noch hinter Bauzäunen, steht der neue Turm des französischen Stararchitekten Jean Nouvel, 75 Meter. Dazwischen fühlt man sich wie eingekeilt zwischen zwei besoffenen Riesen, die einander abstützen – und sich von der dahinterliegenden Leopoldstädter Gründerzeitarchitektur ebenso unterscheiden wie von der uniformen Nachkriegstristesse des gegenüberliegenden Schwedenplatzes.

Der Ausblick sei einmalig,

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