Prost!

Lexikon der Getränke. Diese Woche: Karottensaft

Stadtleben | aus FALTER 11/10 vom 17.03.2010

Ausgepresste Rüben: Wer nicht knabbern kann, soll schlürfen

Die Frage, wieso man Obst und Gemüse trinken soll, anstatt das Zeug einfach zu futtern, stellt sich bei jedem Saft. Sicherlich gibt es da Gründe, die von „länger haltbar“ über „viel bekömmlicher“ bis „ich hab doch keine Zähne mehr“ reichen. Karottensaft zählt auch zu diesem Sektor, gerne auch milchsauer vergoren, mit Honig gesüßt und dem obligatorischen Tropfen Pflanzenöl dabei, weil erst dann angeblich das gute Vitamin A im Körper wirken kann. Und wegen des tollen Betakarotins, das die Haut „braun“ macht, gut für die Augen ist und die Produktion von Spermien (!) anregen soll. Gleich vorweg: Wer beißen kann, soll die Rübe lieber knabbern, in den Rohkostsalat raspeln und so weiter. Karottensaft schmeckt nämlich nicht besonders aufregend. Das ist generell der Nachteil der Gemüsesäfte gegenüber dem ausgepressten Obst. Warum dann die Leute im Flugzeug Tomatensaft bestellen? Weil alle es tun (zumindest jene Passagiere, die nach erfolgter Landung applaudieren). Die ausgepresste Karotte also. Bitter schmeckt das, wässrig in der Konsistenz und sogar ein wenig süßlich vielleicht. Als Geschmacksverstärker mischen manche Apfel zum Saftgemüse.

So etwas reicht man wohl bei Fastenkuren in der Bio-Schönheitsklinik als Aperitif vor dem Knäckebrot, möglicherweise regt Karottensaft ja auch den Appetit an oder ab. Nein. Das muss nicht sein. Und bevor uns das viele Betakarotin noch petznergelb im Gesicht macht, lassen wir’s doch lieber bleiben. Außerdem: Zu viel Vitamin A ist schädlich! cw


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige