Kritiken

Gutes und schlechtes Benehmen in der Garage

Lexikon | Valerie Kattenfeld | aus FALTER 11/10 vom 17.03.2010

Wer bei „Try To Be Mensch“ – einem Schwerpunkt mit insgesamt sechs Produktionen in der Garage X – in „Pompe Funèbre“ von der Gruppe dreizehnterjanuar landet, ist höchstwahrscheinlich ziemlich dankbar, dass die eigenen Eltern seinerzeit auf perverse Erziehungsmaßnahmen verzichtet haben. Adolph Freiherr Knigge heißt der gute Mensch, dem wir das Einmaleins der guten Manieren zu verdanken haben, vom „Krawattenknigge“ bis hin zu „66 knifflige Leckerbissen stilsicher genießen“. Prompt werden vom fünfköpfigen Ensemble die dos exemplarisch vorgeführt und Anekdoten von don’ts erzählt. Besonders nett: Seraphine Rastls seltsame Begegnungen rund um öffentliche Verkehrsmittel oder Katrin Grumeths verkrampfter Catwalk nach gliedmaßengenauer Anleitung.

Weniger bedacht auf den Eindruck nach außen ist die Protagonistin der Erfolgstheater-Produktion „Alraune – I thought I was something else“. Janna Horstmann, die blonde Deutsche mit dem scharfen Blick, ist das Ergebnis eines Genexperiments ihres (demnach nicht leiblichen) Vaters. Als im Labor entstandene Kreuzung von Kriminellen wird sie vom Bösen wie von einem Schatten umgeben. Eine Handlung ausfindig zu machen, fällt schwer; man könnte sagen: Alraune versucht, ihre Beziehungen auf die Reihe zu kriegen und wird dabei ständig unterbrochen. Entweder alle tanzen gerade zu „Fever“ oder das Hausmädchen kommt plötzlich im Ganzkörper-Gorillakostüm auf die Bühne und versucht, den Figuren ihre momentanen Entscheidungsvorgänge im Hirn zu erklären. Schon witzig, aber trotzdem: Hä?

Fazit: zwei aus dem Rahmen fallende Produktionen, in denen das Theater seine eigenen Verhaltensregeln austestet, was sowohl belustigte als auch leicht ratlose Zuschauer zurücklässt.

Garage X, Mo, Di 20.00 („Alraune“) bzw. Mi, Do 20.00 („Pompe Funèbre“)


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