Kritik

Weltumspannender Zeichenmix und High & Low

Lexikon | aus FALTER 11/10 vom 17.03.2010

Mit dem Begriff „Culture Jamming“ lässt sich das Schaffen des Franzosen Bruno Peinado (*1970) wohl am deutlichsten beschreiben. „Meine Logik ist die der Vermischung, die Welt ist ein Zusammenstoßen von Bildern. Mein Vorsatz ist, die Reinheit zu zerstören“, sagt der Künstler und amalgamiert Elemente der westlichen Kunst mit jenen aus anderen Kulturen. Traumfänger, Kultobjekte der nordamerikanischen Indianer, versieht er mit verbalen und zeichenhaften Versatzstücken, die auf die Welt des Konsums verweisen. In minimalistisch anmutenden Wandobjekten reagiert er auf das starre Formvokubalur der Minimal Art und der amerikanischen Hard-Edge-Malerei, wobei die harten Kanten Letzterer durch gezielte Deformationen so einige Aufweichungen erfahren.

Peinado ist eine von drei Positionen, welche die Galerie Mario Mauroner derzeit zeigt. SKALL lautet das Pseudonym des zweiten, ebenfalls aus Frankreich stammenden Künstlers, der den Kitsch auf eine faszinierende Weise zur Kunst nobilitiert. Chinesisches Porzellan türmt er zu einem raupenförmigen Gebilde, das er mit Glasperlenketten verziert. Einem Gartenzwerg verpasst er eine rosa Langhaarperücke und versieht ihn auch sonst noch mit allerlei Krimskrams. Von Kulturmix wie bei Peinado kann man auch angesichts dieser Arbeiten sprechen. SKALL vollzieht im besten Sinne eine Grätsche zwischen High und Low.

Weniger zu begeistern vermögen dagegen die am Computer generierten Malereien des slowenischen Duos son:DA, das die Mediatisierung des Alltags zum Thema macht. Fiese Fratzen blicken dem Betrachter hier teils entgegen, vor allem aus jenem Bild, das sich – völlig grenzwertig – mit einem hämischen Lachen akustisch geriert. MJ

Mario Mauroner Contemporary Art Vienna, bis 1.5.


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