Neu im Kino

„Green Zone“: Thriller sucht Kriegsgründe

Lexikon | Joachim Schätz | aus FALTER 11/10 vom 17.03.2010

Was sich Hollywood immer Verrücktes ausdenkt: Ein US-Offizier (Matt Damon) sucht im besetzten Irak nach Saddam Husseins Massenvernichtungswaffen und findet partout keine. Ob gar jemand vor dem Krieg an den Geheimdienstberichten herumgedoktert hat?

Regiedynamiker Paul Greengrass, bisher abonniert auf historische Rekonstruktionen („Bloody Sunday“, „United 93“) und Thrillerkolportage („Die Bourne Verschwörung“), legt mit „Green Zone“ eine Kreuzung aus beidem vor: Wie einst Damons ausgemusterter CIA-Attentäter Jason Bourne macht sich hier sein Warrant Officer Roy Miller mit Neugierde vor allem in den eigenen Reihen Feinde. Bald hastet er durch ein Bagdader Spannungsszenario aus hingebogenen Nachrichten, unsicheren Allianzen und latenter Bürgerkriegsstimmung, das sich an einem Irakkriegs-Sachbuch des Journalisten Rajiv Chandrasekaran abarbeitet. Bei der Verdichtung von Geopolitik zum soliden Actionthriller knirscht es öfter hörbar im Drehbuchgebälk: Es gäbe hier keine „easy answers“, nur „hard choices“, klärt den Helden ein wohlmeinender Mittelostexperte (Brendan Gleeson) auf.

Die Wortwahl ist exemplarisch für einen Film, der permanent Komplexität behauptet, aber peinlich bemüht ist, diese in griffige Slogansätze und überschaubare Gegensatzkonstellationen zu paketieren. In Greengrass’ audiovisuellem Häcksler aus Ruckelbild, Geräuschdesign und Stakkatoschnitt beginnen hingegen selbst einfachste Bewegungsabläufe und Spannungsbögen unberechenbar zu vibrieren. Am stärksten: die fahrigen, aber kompakt detailreichen Kamerabewegungen (Barry Ackroyd, „The Hurt Locker“) durch die geschützte Green Zone im Kern Bagdads.

Ab Fr in den Kinos (OF im Haydn)


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