Neu im Kino

Udo-Retro, Promi-Proksch-Kult: „Out of Control“

Lexikon | Drehli Robnik | aus FALTER 11/10 vom 17.03.2010

Das Ende von „Udo Proksch – Out of Control“ zeigt ein Rosebudl vom alten Saubartel. Achtung: Karlauer! Im letzten aus der Haftanstalt Karlau verschickten Paket des dort 2001 verstorbenen Proksch war ein kleiner Schlitten namens „Rosebud“.

Der „Citizen Kane“-Schlitten legt die Rutsche retour: Der Filmbeginn zitiert anhand von Proksch’ Jugend im Nachkriegswien den „Dritten Mann“ herbei; im Off haucht Orson Welles „Rosebud“. Eh klar: Proksch als nietzsche-wellesianisches Scheusal, konspirativ wie Harry Lime, schillernd wie Kane, blad wie Orson. Oder ist diese so bemühte wie geschenkte Analogie gar Allegorie, die zeigt, wie Robert Dornhelm als Regisseur eines barocken BiograFeatures sich mit Welles matcht? Und wer gewinnt das Match? Das sagen wir nicht. Hat Udo Proksch Versicherungsdelikte begangen? Sagen wir auch nicht. Jedenfalls wird hier der seit „Citizen Kane“ oft erzählte Treppenwitz strapaziert, Leben und Fiktion oder Politik und Bild seien ununterscheidbar. Oder dasselbe.

Mag sein. Aber eben Fiktion und Bild, nicht ein 87-minütiger News-Artikel. Nicht tausend Interviewsager zählebiger Lemuren von Zilk, Bacher, Lauda abwärts. Nicht Animationen von Superhirnwindungen zu Stahltürsounds. Nicht Begaffung eines Societysexisten im Dauerdelirium anhand verwursteter ORF-Bestände. Dornhelms Küniglbergkontakte sind gut – reichlich Archivzugang und Kulturmontagspräsenz –, und seine Datenverarbeitung („Inszenierung“ trifft es nicht) weckt den Wunsch, von dem Prokschmaterial ein bissl was unzerhackt zu sehen, aber: Es blubbert in Fetzen dahin. Dies ist eine Retro-TV-Show mit Promi-Soundbites. Sie setzt im Kino jene Feier charismatischer Herrscher als Clowns und vice versa fort, die hierzulande Öffentlichkeit heißt.

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