Theater Kritik

Ein leiser„Liliom“ am Schauspielhaus

Steiermark | Hermann Götz | aus FALTER 11/10 vom 17.03.2010

Große Weltliteratur und zugleich Folklore. Das ist Ferenc Molnárs „Liliom“. Nicht nur in Ungarn, nein, auch in Wien, wo Alfred Polgar das Stück in den Prater verlegt hat. Quasi als Vorahnung von Horváts „Geschichten aus dem Wiener Wald“. Schön, wenn das Grazer Schauspielhaus einen jungen ungarischen Regisseur hat, den es auf diese Melange ansetzen kann. Und richtig: Die traurige Geschichte vom lustigen Praterstrizzi scheint genau so ein Stoff zu sein, aus dem Viktor Bodó seine Theatertraumbilder webt. Aber Achtung! Nur keine falschen Erwartungen: Diesmal lässt Bodó kein Ringelspiel tanzen, kein Trapez schwebt über die Bühne. Dem jungen Mann wurde ein Stück ungarischer Weltliteratur in die Hand gegeben, da legt er es nicht drauf an, die Poesie des Dramas ungerührt, aber geschüttelt über die Bühne fegen zu lassen.

Viktor Bodo stellt den Text ins Zentrum und lässt seine Darsteller in langen leisen Szenen ein vielschichtiges Spiel entwickeln. Dieser Liliom kommt zwar vom Prater her, aber vom Spaß bleibt meist nur trotzige Erinnerung. Im Zentrum des Abends wächst die faszinierende Kata Petö als Lilians Geliebte mit der Aufgabe auf Deutsch zu spielen über sich selbst hinaus, Jan Thümer (Liliom) und Nebenbuhlerin Steffi Krautz sind wunderbar besetzt, ebenso die anderen Rollen. Klaus von Heydenabers eigens komponierte Musik verleiht der Inszenierung mit Hackbrett, Akkordeon, Klavier und virtuosen Geigen einen Sound, der tatsächlich an ungarische Folklore gemahnt. Aber sie gibt hier nicht den Takt vor, ist nur mehr Stimmungsgemälde, Pausenfüller. Seinen eigenen Puls hat der Abend (noch) nicht ganz gefunden.

Schauspielhaus Graz, Fr, Di 19.30


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