Große Filmgeschichte auf kleiner Grazer Bühne

Steiermark | Herwig G. Höller | aus FALTER 11/10 vom 17.03.2010

Das Schauspielhaus versucht sich an Fritz Langs „Metropolis"

Die Premiere 1927 war ein Flop. Mittlerweile sieht man das anders: Das bloße Auffinden einer schlechten Filmkopie einer weitgehend ursprünglichen Fassung galt 2008 als Weltsensation, die live übertragene Premiere einer neuen Urversion erreichte zuletzt ein Millionenpublikum. Bereits 2001 war eine damals rekonstruierte Fassung von der Unesco zum Weltdokumentenerbe erklärt worden.

Fritz Langs Stummfilm „Metropolis" gilt als eines der wichtigsten Werke der Filmgeschichte. Dies hat vor allem mit seiner expressionistischen Filmsprache und einer sensationellen modernistischen Filmarchitektur zu tun. Dabei ist das Sujet selbst eher simpel gestrickt: Industriemagnat Fredersen regiert autoritär in einer Zukunftsstadt namens Metropolis, seine Arbeiter behandelt er dreckig. Fredersens Sohn verliebt sich in die Arbeiterführerin Maria, Freunde des Vaters hecken einen teuflischen Plan und konstruieren eine Roboterdoppelgängerin der Freundin – erstmals taucht hier ein Roboter im Medium Film auf. Nichtsdestotrotz, das Gute siegt, am Ende ruft der Film gar zu einem sozialpartnerschaftlichen Kompromiss zwischen Unternehmern und Arbeitern auf.

Wie so einen überlebensgroßen Stoff auf die kleine Probebühne des Schauspielhauses bringen? Die deutsche Regisseurin Claudia Bauer setzt insbesondere auf bewegte Bilder: Das Grazer Filmkünstlerduo OchoReSotto (Volker Sernetz und Stefan Sobotka), das vor allem durch seine Visuals bekannt ist, wird interaktiv Videos beisteuern. Von den legendären Massenszenen des seinerzeit teuersten deutschen Films bleibt aber nichts: Auf der Bühne selbst stehen in Bauers Inszenierung nur drei Schauspieler.

Schauspielhaus Graz, Fr 19.45 (Premiere)


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